Ich heiße Billy Plimpton“ von Helen Rutter

Bewertung: 3.5 von 5.

Ein paar Fakten

Band: Einzelband

Verlag: Atrium-Verlag

Schlagwörter: Kinderbuch, Roman, Stottern, Selbstakzeptanz

Mögliche Trigger: Ableistische und trans*phobe Darstellung von Nebencharakteren, Außenseiter, Mobbing, Versagensangst,

Alter: ab circa 10 Jahren

Seiten: 288

Preis: 15,00€ print & 11,99€ e-book

Erscheinungstermin: 20.08.2021

ISBN: 978-3-85535-650-8

Meine Meinung zum Inhalt

Ich finde es eine schöne, liebevolle und teilweise sehr emotionale Geschichte. Es geht um Billy, 11, bzw. 12 Jahre, der stottert. Vor allem der Ausgang des Buches hat mir sehr gut gefallen. Besonders cool finde ich die ganzen Listen, welche Billy schreibt, da ich selbst gerne die verschiedensten Listen schreibe. Ebenfalls gefallen hat mir, dass das Kind, welches Billy mobbt, nicht nur „Täter“ ist sondern es ebenfalls eigene Probleme hat, welche benannt werden. Ich konnte mich in die allermeisten beschriebenen Situationen und Charaktere hineinversetzen. Besonders gut finde ich, dass aufgezeigt wird wie unterschiedlich Menschen auf das stottern von Billy reagieren und dadurch ein positiverer Umgang damit vermittelt wird. Des Weiteren ist der Klassenlehrer mega einfühlsam und lässt Billy für sich selbst als eigener Experte seines Stottern und dem Umgang damit sprechen. Der Lehrer gibt somit nichts vor, von dem er glaubt was richtig wäre.

Ableistische und Trans*phobe Darstellungen sowie Genderklischees

Ableismus: Ein Klassenkamerad wird immer als Zappelig beschrieben. Später wird geschrieben, dass er an ADS leidet. Erstens stört mich, dass ADS im Buch nur auf das zappeln reduziert wird. Die Behauptung daran zu leiden wird leider sehr oft verwendet, wenn über andere Wahrnehmungen, bzw. Behinderungen gesprochen/geschrieben wird. Von der Community wird immer wieder darauf hingewiesen, dass solche Aussagen ableistisch sind, da die eigene Behinderung oft nicht als Leid empfunden wird. Des Weiteren kommt ein Junge mit Hörgeräten vor, dieser sagt von sich, dass er sehr schlecht hört. Komischerweise bekommt er aber problemlos alles über das Lippenlesen mit. Dies ist in der Realität sehr viel schwieriger. (siehe hierzu u.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Lippenlesen#Probleme ) Außerdem spielt dieser Junge Klavier, da seine Mutter das möchte, denn seine „normal“ hörenden Brüder spielen es ebenfalls.

Trans*phobie: Es wird geschrieben, dass der eine Charakter kein Mädchen sein will und P. genannt werden möchte. Dieser Name wird berücksichtigt, dennoch werden immer weibliche Pronomen (sie/ihr) verwendet.

Genderklischees: Diese sind vor allem am Anfang des Buches sehr stark vertreten. Die kleine Schwester, welche in ihrem Zimmer ganz viel mit Ponys hat, sehr schnell weint, turnt und Ponpons (Cheerliding) hat. Sein Vater, der mit einem Bier mit ihm zusammen Fußball guckt und die Schwester und Mutter nicht mit dabei sind. Er (Billy), der zu sich selbst sagt, dass er doch nicht weinen dürfe, blaue Sneakers und eine Sammelmappe mit Raketen drauf besitzt.

Meine Meinung zum Schreibstil & co

Das Buch lies sich flüssig lesen und ist in der Ich-Perspektive geschrieben. Besonders gut gefällt mir, dass es so geschrieben ist, dass immer mal wieder der*die Leser*in direkt von Billy angesprochen wird. Z.B. „Die beste Kategorie und jene, in die ihr euch auch einreihen solltet, falls ihr mal einem Stotterer begegnet.“ (S. 11) und „Drückt mir die Daumen.“ (S. 23). Etwas störend finde ich den Begriff Federmappe, da dieser für mich veraltet ist.

Die Schriftgröße ist etwas größer und dadurch auch für mich sehr entspannt zu lesen und somit auch passend für jüngere Kinder. Die einzelnen Kapitel sind mit etwa 5 bis 15 Seiten lang, wobei sie viele große Absätze und immer mal wegen Billys Listen Zwischenüberschriften enthalten. Die Kapiteln sind leider nur als Wort durchnummeriert. Sehr cool ist, dass jedes Kapitel mit einem Witz, bzw. Scherzfrage beginnt, welche teilweise einen Bezug zum Inhalt des jeweiligen Kapitels hat.

Der Titel „Ich heiße Billy Plimpton“ finde ich passend gewählt. Ich mag es wenn der Name des Hauptcharakters enthalten ist. Auch wenn ich den Nachnamen ziemlich albern und eher schrecklich finde, da es sich hierbei um keinen selbstgewählten Künstlernamen des Protagonisten handelt, sondern dessen Nachnamen.

Meine Meinung zu Cover & Illustrationen

Genial finde ich, dass der Titel durch die Sprechblase perfekt in das Gesamtbild des Covers eingebaut wurde. Gleichzeitig ist die Schriftart, -farbe und der Hintergrund der Sprechblase so gewählt, dass man den Titel sehr gut lesen kann und er direkt auffällt.

Ich mag es, dass das Bild auf dem Cover einer Szene im Buch entspricht und aber auch bereits gut zu dem Klappentext passt. Tatsächlich ist es bei dem Buch das Cover, was mich als erstes neugierig gemacht hat. Etwas stört mich das veraltete Mikrofon (also das Kabel) und dass der Scheinwerfer oben etwas zu spitz endet und meiner Meinung nach etwas unlogisch ist. Des Weiteren ist die Beschreibung des Pullis von Billy im Text nicht ganz mit der Darstellung auf dem Bild identisch. Aber im großen und ganzen mag ich das Cover sehr gerne.

Im Buch selbst befinden sich leider keine Illustrationen. Auch die Kapitelüberschriften sind nicht besonders gestaltet. Verwendet wurde dafür die gleiche Schriftart, wie der Titel.

Mein Fazit & meine Bewertung

Die Handlung, den Schreibstil und das Cover gefallen mir sehr gut. Es werden wichtige Inhalte zum Stottern und Selbstakzeptanz vermittelt. Die Vielfalt (Diversity) der Nebencharaktere war zwar gut gemeint, aber oft nicht gut umgesetzt, wodurch es zu diskriminierenden Aussagen kommt. Es fällt mir daher extrem schwer, mich auf eine Bewertung festzulegen. 3 oder 4 Einhörner? Die Aussagen die mich so sehr stören, sind meistens nur einzelne Sätze, aber dennoch empfinde ich sie als No-Go‘s. Ich entscheide mich jetzt für die Mitte und gebe 3,5 von 5 Einhörnern

Danke an den Atrium-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Bewertung: 3.5 von 5.
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